Am 21. Mai 2026 fand meine Premiere als Dozentin im Kurs KI-Programme kennenlernen, verstehen und im Alltag nutzen in Merseburg statt. Zwar habe ich den Kurs bereits viermal zuvor abgehalten – allerdings in abgewandelter Form und für eine Bildungseinrichtung statt wie jetzt im Auftrag der Regionalstelle Süd des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Der Kurs dauerte mit 3 statt 1,5 Stunden diesmal auch doppelt so lang wie sonst.
Die o. g. Schulung fand in den Räumlichkeiten der Paritätischen Selbsthilfekontaktstelle Saalekreis in Merseburg statt und war gut besucht. Neben den beiden Organisatoren und mir als Dozentin waren 10 Teilnehmer gekommen, um den Umgang mit einem Tablet sowie die Nutzung und Funktionsweise verschiedener KI-Programme wie ChatGPT, Google Gemini, Google Lens, Microsoft Copilot und Perplexity zu erlernen.


Der Großteil der Teilnehmer arbeitete an für den Kurs zur Verfügung gestellten Tablets, auf denen die relevanten KIs bereits vorinstalliert worden waren. Einige Teilnehmer nutzten aber auch ihre eigenen Smartphones und installierten sich die Apps während des Kurses vor Ort selbst.


Themenschwerpunkte waren:
- Informationen finden
- Wege planen
- Briefe und Formulare verstehen
- Eigene Texte schreiben
- Text aus Dokumenten transkribieren
- Anregungen für Kochrezepte finden
- Inhalte auf Dokumenten, Fotos oder dem Bildschirm erkennen und weiterverarbeiten
Inhalte
Der Kurs war in drei Teile gegliedert: ein theoretischer Teil, ein praktischer Teil unter meiner Anleitung und eigenständige praktische Übungen.
Im theoretischen Teil erfuhren die Teilnehmer, woher die meisten namhaften KI-Programme kommen und welche mitunter großen Firmen dahinterstecken. Außerdem ging es um die Definition des Begriffs Künstliche Intelligenz sowie darum, was genau Sprach-, Welt- und Visionsmodelle sind und was diese können.
Weiter ging es mit den verschiedenen Arten von Künstlicher Intelligenz und der Frage, wo uns KI im Alltag bereits begegnet war, lange bevor es diesen Begriff gab. Solche Dinge wie Autokorrektur, Empfehlungsfunktionen (Amazon, Netflix etc.) oder Sprachassistenten (z. B. Siri, Alexa, Google Assistant) waren den meisten Teilnehmern einleuchtend oder wurden teilweise von ihnen als Beispiele genannt. Überrascht waren hingegen alle, als sie erfuhren, dass es bereits in den 1960er-Jahren einen der wichtigsten Vorläufer heutiger KI-Chatbots gab, der darüber hinaus oft sogar als das erste Dialogsystem mit sprachlichen Fähigkeiten überhaupt gilt.
Anschließend beschäftigten wir uns damit, welches KI-Programm sich am besten wofür eignet: Während manche KIs direkt auf aktuelle Web- und Kartendaten zugreifen, also bestens für das Einholen aktueller Infos geeignet sind, nutzt man andere wiederum eher, wenn es ums verständliche Erklären oder Zusammenfassen von Texten oder auch um das Anpassen von Ton und Stil geht. Praktisch kann es aber auch sein, die Kamera eines Smartphones oder Tablets mit einer Suchmaschine zu verbinden: So lassen sich die verschiedensten Dinge mit der Kamera erkennen, analysieren oder direkt weiterverarbeiten.
Bevor es an die praktischen Übungen ging, beschäftigten wir uns noch mit den Begriffen Maschinelles Lernen, Deep Learning und Algorithmen sowie den Fragen, wie intelligent Künstliche Intelligenz eigentlich ist und ob sie Vorurteile hat.

Im Praxisteil probierten die Teilnehmer die zuvor genannten KI-Programme rege aus, verglichen die Antworten verschiedener KIs miteinander und testeten, wie man Bilder oder Dateien hochladen, Bilder scannen bzw. Inhalte auf Dokumenten, Fotos oder einem Bildschirm erkennen und weiterverarbeiten kann.
Neben dem Schreibmodus widmeten wir uns auch der Spracheingabe, die die Nutzung von KI grundsätzlich bequemer, schneller und intuitiver macht, da Gedanken direkt ausgesprochen statt eingetippt werden können. Im Rahmen dieses Kurses war die Spracheingabe-Funktion von ganz besonderer Bedeutung, da auch eine blinde Frau teilnahm, was ich sehr beeindruckend fand. Ihrerseits kam die Frage auf, wie es sein könne, dass trotz moderner KI-Technologien viele Websites noch immer nicht barrierefrei seien. Es folgte ein kleiner Exkurs zum Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO), insbesondere zur Bedeutung von Alternativtexten für Bilder, sowie zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG).
Dass die Nutzung von KI per Spracheingabe auch für sehende Personen praktisch und bequem sein kann, zeigte sich im weiteren Verlauf des Kurses mehrfach. Für Erheiterung sorgte die Frage eines Teilnehmers: „Wie viel kostet Bier bei Netto?“ Die KI nannte daraufhin mehrere Märkte in der Umgebung, verschiedene Biermarken und deren aktuelle Preise. Nachdem ich zuvor erklärt hatte, dass man mit der KI einen richtigen Dialog führen und Nachfragen stellen könne, und dem Teilnehmer die von der KI genannten Biere offenbar nicht zusagten, hakte er nach: „Richtiges Bier!“ – und hatte damit die Lacher von uns anderen im Raum auf seiner Seite.
Die Schulungsbewertungen, um die ich zum Abschluss per vorbereitetem Formular gebeten hatte, wie ich es in jedem meiner Kurse am Ende tue, waren allesamt positiv. Viele Teilnehmer bedankten sich darüber hinaus auch persönlich bei mir und es wurde mehrfach der Wunsch nach einem Fortsetzungskurs geäußert, um gezielt den praktischen Umgang mit den vorgestellten KI-Programmen weiter vertiefen zu können.
Nachdem ich abschließende Worte an die Teilnehmer gerichtet hatte, überreichte mir die Einrichtungsleiterin der Paritätischen Selbsthilfekontaktstelle Saalekreis zum Dank ein paar Blumen und packte mir außerdem etwas von dem Kuchen ein, der neben Obst, Kaffee und Tee zuvor auf dem reichlich gedeckten Tisch gestanden hatte und übrig geblieben war. Mit diesen Geschenken, vielen Eindrücken und der Aussicht auf den gewünschten Fortsetzungskurs trat ich schließlich die Heimreise an.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Organisatoren und Teilnehmern, die den Kurs überhaupt erst ermöglicht haben:
- Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Landesverband Sachsen-Anhalt e. V.
- Paritätische Selbsthilfekontaktstelle Saalekreis
Impressionen aus Merseburg


