
Vor einer Weile bin ich in einem Newsletter zufällig auf das Buch „Barrierefreie Websites für Dummies“ gestoßen. Da ich mich schon länger mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) beschäftigen wollte und außerdem bereits seit 10 Jahren im Bereich barrierefreie Sprache (Einfache Sprache) tätig bin, fing ich an, das darin erwähnte Interview mit den Autoren des Buchs zu lesen, und merkte schnell, dass ich mehr erfahren wollte.
Da das Thema Barrierefreie Websites für mich perfekt zum Thema Suchmaschinenoptimierung passt, mit dem ich mich bereits seit 2008 beschäftige, beschloss ich, den Verlag, in dem das Buch erschienen ist, einmal anzuschreiben und zu fragen, ob er im Bereich Rezensionen offen für eine Zusammenarbeit mit mir ist. Da ich bereits Bücher eines anderen Verlags online besprochen hatte, schickte ich die entsprechenden Links zu meinen Artikeln mit und bekam direkt eine positive Antwort sowie eine Weile später auch das gewünschte Rezensionsexemplar zugeschickt. Das Buch möchte ich nun in diesem Artikel vorstellen.
Das Buch auf einen Blick
„Barrierefreie Websites für Dummies“ von Tobias Roppelt, Nina Jameson und Christiane Hackl ist 2026 in der 1. Auflage im Verlag Wiley-VCH erschienen und umfasst 384 Seiten. Die Autoren kommen aus den Bereichen Informatik und Design und haben sich zusammengetan, um Empathie und Motivation für das Thema zu stärken und öffentliche Stellen und Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre digitalen Auftritte und Produkte für alle zugänglich zu machen – kurz: ein Internet für alle zu erschaffen. In das Buch floss ihr Wissen ein, das sie seit Jahren in Form von Workshops, Beratungen, Prüfungen, Tools sowie ihrem Blog teilen bzw. zur Verfügung stellen.
Das Buch ist aufgrund seines Aufbaus und der gewählten Themen rund um Websites und deren Barrierefreiheit sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene sehr gut geeignet. Es richtet sich u. a. an alle, deren Wunsch oder Anspruch es ist, „die Welt ein kleines bisschen gerechter und inklusiver für Menschen mit Behinderungen zu machen“, wie es in der Einleitung heißt. Die Autoren möchten mit dem Buch dafür sensibilisieren, welche Barrieren es gibt und wie die betroffenen Personen unter diesen leiden.
Die niedlichen Maskottchen, die bereits auf dem Buch-Cover zu sehen sind, laden den Leser zur Lektüre ein, begleiten ihn das gesamte Buch hindurch und erleichtern das Verständnis. In „Barrierefreie Websites für Dummies“ findet man alles, was man braucht, um barrierefreie, digitale Erlebnisse zu schaffen: Von der Planung einer neuen Seite über das Design, die Entwicklung und die Erstellung von Inhalten bis hin zum Testen auf Barrierefreiheit einer Website – auf all diese Dinge wird im Buch ausführlich eingegangen. Allerdings schicken die Autoren eines gleich zu Beginn vorweg: „,komplett barrierefrei’ wird vermutlich nie etwas sein“ – dessen sollte man sich also bewusst sein, wenn man zu diesem Buch greift oder sich mit dem Thema digitale Barrierefreiheit beschäftigt.

Orientierung an WCAG und EN 301 549
„Barrierefreie Websites für Dummies“ orientiert sich an den bewährten Standards der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sowie an der europäischen Norm EN 301 549 – jenen Richtlinien also, die man einhalten muss, um den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes gerecht zu werden. Das Buch soll den Autoren zufolge aber auch dazu anregen, über die bloßen Mindestanforderungen hinauszudenken, denn digitale Barrierefreiheit sei ein essenzieller Bestandteil einer digitalen Welt, die jedem Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen wolle.
Für Einsteiger und Profis geeignet
Zwar bauen die verschiedenen Teile des Buchs nicht zwingend aufeinander auf, hängen aber doch thematisch zusammen und verweisen manchmal aufeinander. Jeder Teil setzt dabei unterschiedliche Schwerpunkte.
Wer bisher noch nichts von digitaler Barrierefreiheit gehört hat, arbeitet sich am besten von vorne nach hinten durch das Buch, um einen umfassenden Überblick zu bekommen, welche Barrieren es gibt und worauf man bei deren Vermeidung oder Beseitigung achten sollte.
Wer hingegen schon etwas Vorwissen mitbringt, kann das Buch als Nachschlagewerk nutzen und bei dem Thema beginnen, das gerade die meisten Fragen aufwirft. Das Stichwortverzeichnis hilft dabei, das richtige Kapitel zu finden. Auch wenn man sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, wird man besonders im letzten Kapitel einige Tipps und Feinheiten entdecken und neue Dinge erfahren.
So ist das Buch aufgebaut
Der Praxisratgeber, der dafür sorgen soll, dass Websites gesetzeskonform, nutzerfreundlich und für alle Menschen gleichermaßen zugänglich werden, ist in fünf Teile gegliedert:
TEIL I: Was bedeutet digitale Barrierefreiheit überhaupt? beleuchtet, was man unter digitaler Barrierefreiheit versteht und für wen sie wichtig ist. Darüber hinaus gehen die Autoren darauf ein, wie Menschen mit Behinderung eine Website nutzen. Auch die WCAG werden in diesem Teil vorgestellt.
TEIL II: Vom Konzept zur Seite: Wie man eine barrierefreie Website erstellt! vermittelt Basisprinzipien, die man kennen sollte, wenn man sich mit Barrierefreiheit beschäftigt. Das Autorenteam gibt Tipps, wie man Seiten konzipiert, und geht auf Barrierefreiheit in Design, Entwicklung und Redaktion ein.
TEIL III: Meine Seite ist barrierefrei – glaube ich! (Barrierefreiheit testen) dürfte für viele Leser besonders interessant sein, denn hier wird es praktisch: Wie man auf digitale Barrierefreiheit testet und welche Tools und Plug-ins zum Testen zur Verfügung stehen und geeignet sind, das beantwortet dieser Teil.
TEIL IV: Alle Kriterien der digitalen Barrierefreiheit im Detail, der als permanentes Nachschlagewerk für den Arbeitsalltag dient, erklärt die Barrierefreiheitskriterien WCAG und EN 301 549 in den Worten der drei Autoren. Dabei geben diese auch Hinweise zu den Kriterien und nennen Ausnahmen. Quellen zu den WCAG-Techniken runden diesen vorletzten Teil ab.
TEIL V: Top-Ten-Teil stellt schließlich zehn Barrierefreiheitsexperten vor.
Diese fünf Teile umfassen 18 Kapitel, die den Leser Schritt für Schritt von den Grundlagen der digitalen Barrierefreiheit bis hin zur praktischen Umsetzung führen.
Von den Grundlagen zur Praxis
Kapitel 1: Was bedeutet digitale Barrierefreiheit? beantwortet die Frage, was genau man unter digitaler Barrierefreiheit versteht, für welche Nutzergruppen sie besonders wichtig ist und warum sie für alle einen Gewinn darstellt.
Kapitel 2: Assistive Technologien: Mit Hilfsmitteln im Netz unterwegs widmet sich zunächst der Definition von assistiven Technologien und geht anschließend auf die Frage ein, was ein Screenreader ist und wie all diese technischen Hilfsmittel genutzt werden.
Kapitel 3: Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) beschäftigt sich mit dem Aufbau der WCAG, den weltweit geltenden Standards für digitale Barrierefreiheit. Das vom bekannten W3C (The World Wide Web Consortium) entwickelte Regelwerk für die Erstellung von barrierefreien Websites umfasst derzeit insgesamt 86 Erfolgskriterien, verteilt auf vier Prinzipien (Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich, Robust) und drei Konformitätsstufen (A, AA, AAA). Die Konformitätsstufen wiederum umfassen jeweils bis zu 32 Kriterien.
Kapitel 4: Gesetzliche Standards geht der Frage nach, welche deutschen Gesetze es gibt, wie man diese umsetzt und was öffentliche Stellen gewährleisten müssen. Außerdem enthält das Kapitel ein ganz persönliches Quiz zum Thema BFSG.
Kapitel 5: Bevor es losgeht gibt Tipps, wie man Barrierefreiheit von Anfang an mitdenkt, aber auch wie man mit schon bestehenden Seiten umgeht. Auch WCAG-taugliche Alternativversionen von Websites werden thematisiert: Wenn eine Website nicht WCAG-konform ist, dann darf man den Autoren zufolge eine alternative Version zur Verfügung stellen, die allerdings gewisse Anforderungen erfüllen muss, um als konform durchzugehen. Welche Anforderungen genau das sind, ist wesentlicher Bestandteil dieses Kapitels.
Kapitel 6: Konzeption einer barrierefreien Website geht darauf ein, wie man barrierefreie Abläufe konzipiert und kommuniziert. Außerdem klärt es die Frage, was eine Definition of Done ist und wie man sich strukturiert voranarbeitet.
Kapitel 7: Digitale Barrierefreiheit im Design stellt grundlegende Prinzipien für barrierefreies Design vor. Die Autoren geben Tipps, wie man ein barrierefreies Designsystem als Basis erstellt und was beim anschließenden UI-Design, also der Gestaltung von Benutzeroberflächen, zu beachten ist.
Kapitel 8: Digitale Barrierefreiheit in der Entwicklung geht der Frage nach, was Hilfstechnologie braucht, um eine Website lesen zu können. Außerdem erklären die Autoren, wie HTML Website-Betreibern, ‑Programmierern und allen Nutzern das Leben erleichtert und wie man ein barrierefreies Design entwickelt, damit es wirklich keine Barrieren enthält.
Kapitel 9: Digitale Barrierefreiheit in der Redaktion beleuchtet, wie man Struktur wahrt und damit alles übersichtlich hält. Der Leser erfährt außerdem, was bei Texten zu beachten ist und wie man Bilder für alle wahrnehmbar macht.
Barrierefreiheit testen und bewerten
Kapitel 10: So testen Sie Ihre Seite auf digitale Barrierefreiheit erklärt, welche (Unter-)Seiten man testen muss, welche Testmethoden es gibt und wie man diese einsetzt. Darüber hinaus gehen die Autoren darauf ein, ob und wenn ja, wie sinnvoll eine Zertifizierung von Websites ist.
Kapitel 11: Tools und Plug-ins gibt dem Leser kostenlose Helfer aus dem Internet mit auf den Weg und beleuchtet, welche automatisierten Werkzeuge beim Testen wirklich helfen.
WCAG verständlich erklärt
Kapitel 12: Wie die Kriterienübersicht funktioniert erklärt, was den Leser in Kapitel 13 erwartet und wie man die folgenden Kapitel nutzt.
Kapitel 13: WCAG-Kriterien für bessere Wahrnehmbarkeit erklärt, wie man die Kriterien des Prinzips Wahrnehmbarkeit umsetzt und welche Techniken die WCAG dazu empfehlen.
Kapitel 14: WCAG-Kriterien für bessere Bedienbarkeit stellt vor, was die WCAG für bessere Bedienbarkeit fordern und welche Techniken sie dazu empfehlen.
Kapitel 15: WCAG-Kriterien für bessere Verständlichkeit gibt Tipps, wie man Websites verständlich macht und welche WCAG-Kriterien diese dafür erfüllen müssen.
Kapitel 16: Die WCAG-Kriterien für die Robustheit verrät dem Leser, wie er es schafft, Websites möglichst robust zu machen, und welche Techniken die WCAG dafür empfehlen. Hier erfährt man auch, was Robustheit im Kontext der Barrierefreiheit bedeutet, nämlich dass eine Website auf verschiedenen Geräten, in unterschiedlichen Browsern und auf allen Bildschirmgrößen zuverlässig funktioniert.
Kapitel 17: Weitere Kriterien der digitalen Barrierefreiheit stellt die wichtigsten Kriterien vor, die man zusätzlich zu den WCAG beachten muss, und klärt darüber auf, wann diese relevant sind.
Praxiswissen von Accessibility-Experten
Kapitel 18: Zehn Menschen, die Sie auf Ihrem Weg zur digitalen Barrierefreiheit weiterbringen stellt Menschen vor, die man kennen sollte, wenn man sich mit digitaler Barrierefreiheit beschäftigt.
Weiterführende Informationen
Fazit
Ich hatte große Erwartungen an das Buch, die nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen wurden. „Barrierefreie Websites für Dummies“ ist sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet und leistet einen wesentlichen Beitrag, um digitale Angebote für alle zugänglich zu machen, Teilhabe zu fördern und Menschen mehr Selbstbestimmung im digitalen Raum zu ermöglichen. Wer noch kein Vorwissen besitzt, wird mit diesem Buch bestens an das Thema herangeführt. Außerdem erfährt man, wie wichtig es ist, dass Inhalte über mehr als nur einen Sinn erfassbar sind, und dass Barrierefreiheit idealerweise von Anfang an mitgedacht werden sollte.
Vereinzelt hätte ich mir noch ein paar mehr Informationen gewünscht. So heißt es in Kapitel 2 etwa: „Welcher Screenreader Ihnen zur Verfügung steht, hängt von Ihrem Betriebssystem ab. Für Windows, MacOS und Linux gibt es jeweils unterschiedliche Software.“ – es werden dann jedoch lediglich Screenreader für Windows und macOS thematisiert. Auf Linux-Nutzer wird nicht explizit eingegangen, was aber einerseits daran liegen könnte, dass ein Buch ohnehin nicht sämtliche Aspekte eines solch komplexen Themas wie das der digitalen Barrierefreiheit vollumfänglich darzustellen vermag, und die Zahl der Linux-Nutzer andererseits noch immer stark hinter denen von Windows und macOS zurückliegt. Wer hierzu also mehr Informationen sucht, muss selbst recherchieren – und kann nur hoffen, dass der Weg zur Antwort möglichst barrierearm gestaltet ist …
Alles in allem ist „Barrierefreie Websites für Dummies“ ein überaus gelungenes, fachlich fundiertes Buch, das einen sehr guten Einblick in das komplexe Thema der digitalen Barrierefreiheit bietet. Die zentralen Aspekte werden gut verständlich erklärt und durch die liebevolle Bebilderung anschaulich ergänzt, was das Verständnis zusätzlich erleichtert.
Ein Satz aus dem Buch ist mir besonders in Erinnerung geblieben:
„In der Barrierefreiheits-Community gibt es einen beliebten Satz: Digitale Barrierefreiheit ist für zehn Prozent der Menschen unerlässlich, für 30 Prozent wichtig, für 100 Prozent hilfreich.“
Er bringt die zentrale Botschaft des Buchs auf den Punkt: Barrierefreiheit geht uns alle an.