Anglizismus des Jahres 2021 gewählt

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Anglizismus des Jahres 2021 gewählt

Anglizismus des Jahres 2021: boostern

„boostern“ ist Anglizismus des Jahres 2021

Die Jury um Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin hat am 1. Februar 2022 den Anglizismus des Jahres 2021 bekannt gegeben. Gewonnen hat das Verb „boostern“, das sich gegen „Long Covid“, „QR-Code“, „cringe“ und „woke“ durchsetzen konnte.

Das Verb „boostern“, das im Deutschen das Auffrischen einer Covid-Impfung bedeutet, werde häufig in den Formulierungen „boostern lassen“ oder „geboostert sein“ verwendet. Das Wort finde sich laut Jury bereits in älteren medizinischen Fachtexten („verstärken (der Immunabwehr)“) und habe sich mit der engeren alltagssprachlichen Bedeutung seit Oktober 2021 verbreitet. Damals sei auch das Substantiv „Booster“ im allgemeinen Sprachgebrauch aufgetaucht und fast übergangslos zu einem festen Bestandteil des deutschen Wortschatzes geworden. Anders als das eindeutig aus dem Englischen entlehnte Substantiv sei das Verb wahrscheinlich eine deutsche Eigenkreation.

Das Substantiv „booster shot“ (Verstärker-Impfung) tauche im Englischen schon Mitte der 1940er Jahre auf, die verkürzte Form „booster“ in den 1960er-Jahren. Das dazu gehörende Verb sei aber „to boost“ – eine Nebenform „to booster“ gebe es zwar, sie sei aber vor Januar 2022 verschwindend selten und könne somit nicht Vorbild für das deutsche boostern gewesen sein. Erst seit Anfang Januar finde sich auch das Verb „to booster“ häufiger im Englischen. Die deutsche Sprachgemeinschaft habe hier also deutlich vor der englischen Sprachgemeinschaft ein Potenzial des Englischen erkannt und für sich genutzt.

Überzeugt habe die Jury an dem Sieger-Wort vor allem die Schnelligkeit, mit der es die durch eine neue Form der Auffrischungsimpfung entstandene Lücke im Wortschatz gefüllt habe, aber auch die Leichtigkeit, mit der es im grammatischen System des Deutschen seinen Platz gefunden habe. Es habe dabei das grammatische Verhalten des in seiner Bedeutung verwandten Verbs „impfen“ übernommen: So, wie wir mit einem Impfstoff gegen eine Krankheit geimpft werden, werden wir nun auch mit einem Impfstoff gegen Corona geboostert. Allerdings unterscheide sich „boostern“ in mehrfacher Hinsicht von der im Deutschen bereits vorhandenen Formulierung „eine Auffrischungsimpfung geben/erhalten“: Es beziehe sich speziell auf Covid-Impfungen und ermögliche eine knappe und trotzdem eindeutige Kommunikation. Außerdem liege die Betonung bei „boostern“ auf der Vergänglichkeit des Impfschutzes – geboostert seien wir nur, solange die Schutzwirkung der Auffrischungsimpfung noch ausreichend hoch ist. Darüber hinaus habe das Wort einen optimistischen und dynamischen Beiklang, an den die Auffrischung einfach nicht heranreiche.

Weitere Wörter

Ebenfalls in die engere Auswahl geschafft hatten es folgende Wörter:

„Long Covid“ habe sich im deutschen Wortschatz im Zuge der Covid-19-Pandemie etabliert. Das Wortbildungsmuster Adjektiv + Substantiv sei für das Deutsche eher untypisch und finde sich vor allem in Lehnübersetzungen wie „Schwarzes Loch“ oder „Weißer Zwerg“. Dass „Long Covid“ zu „Langes Covid“ eingedeutscht wird, sei laut Jury allerdings unwahrscheinlich – schon weil die Krankheit im Deutschen als „Corona“ bezeichnet werde.

Das Wort QR-Code (Abkürzung für Quick-Response-Code, etwa „Schnellreaktionscode“) und die dazugehörige Technologie, die bereits 1994 in Japan erfunden wurden, sei im deutschen Sprachgebrauch erst ab 2006 und mit zunächst sehr langsam steigender Häufigkeit aufgetaucht. Anfang 2021 sei die Häufigkeit des Wortes im Sprachgebrauch dann sprunghaft angestiegen.

„cringe“, das bereits Jugendwort des Jahres war, komme – anders als die meisten anderen Wörter, denen diese Ehre zuteil wurde – im Sprachgebrauch junger Menschen tatsächlich vor und bezeichne dort ein intensives Gefühl der Fremdscham.

Auch das Adjektiv „woke“ hatte es in die engere Auswahl geschafft. Ursprünglich stamme dieses Wort aus der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre in den USA und sei dort verwendet worden, um Menschen zu bezeichnen, die rassistische gesellschaftliche Strukturen erkannt hatten – oft in der Aufforderung „Stay woke!“. Im Rahmen der Black-Lives-Matter-Bewegung habe es eine Renaissance erfahren und sei vom konservativen Feuilleton in Deutschland und anderswo als Synonym für den in die Jahre gekommenen Kampfbegriff „politically correct“ entdeckt worden. Es werde vorrangig als Fremdbeschreibung verwendet, um sich über Menschen lustig zu machen, die auf gesellschaftliche Missstände hinweisen.

Hintergrund der Aktion

Die unabhängige Initiative „Anglizismus des Jahres“ gibt es seit 2010. Gegründet wurde sie von dem Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin, der auch Juryvorsitzender ist. Unterstützt wird er seit 2010 von der Anglistin Dr. Susanne Flach (Universität Zürich). Lexikografisch wird die Wörterwahl durch PD Dr. Alexander Geyken und Dr. Lothar Lemnitzer von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften begleitet, die am Zentrum für digitale Lexikografie der deutschen Sprache (ZDL) am Aufbau eines frei zugänglichen digitalen Informationssystems zum deutschen Wortschatz in Geschichte und Gegenwart arbeiten. Vervollständigt wird die Jury durch Dr. Marc Kupietz, Leiter des Bereichs Korpuslinguistik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, der zuverlässige Häufigkeitsdaten zu den Wortkandidaten bereitstellt. Die Aktion würdigt jährlich den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes und will zum besseren Verständnis von Lehnwörtern beitragen.

Anglizismen der vergangenen Jahre

  • 2020: Lockdown
  • 2019: … for future
  • 2018: Gendersternchen
  • 2017: Influencer
  • 2016: Fake News
  • 2015: Refugees Welcome
  • 2014: Blackfacing
  • 2013: die Nachsilbe ‑gate
  • 2012: Crowdfunding
  • 2011: Shitstorm
  • 2010: leaken

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