Seit über einem Jahr hatte ich mich schon darauf gefreut – am 28.03.2026 war es endlich so weit: Ich habe die Chemnitzer Linux-Tage (CLT) 2026 besucht. Bislang kannte ich diese Großveranstaltung nur von Erzählungen anderer oder aus Social Media, war selbst noch nie dort – aber alles, was ich darüber gehört, gelesen oder gesehen hatte, hatte einen derart positiven und bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, dass ich unbedingt selbst einmal hin und es erleben wollte. Immer wenn der Name fiel, wurde meine Neugier aufs Neue geweckt. Dieses Jahr hat es endlich geklappt und ich konnte mir alles einmal aus nächster Nähe ansehen und mich selbst mitreißen lassen.
Gut vorbereitet nach Chemnitz
Die Chemnitzer Linux-Tage standen in diesem Jahr unter dem Motto Souveräne Digitalität. Da Technik bereits seit meiner Jugend eine ungemeine Faszination auf mich ausübt und mich begeistert, ich seit Jahren auch beruflich damit zu tun habe und darüber hinaus Ende 2024 aufs Betriebssystem Linux umgestiegen bin, war es naheliegend, irgendwann einmal zu den CLT fahren zu wollen.
Wie auch bei der Leipziger Buchmesse gab es zu den CLT ein Programm, das ich im Vorfeld eifrig nach interessanten Vorträgen durchstöberte. Anders als die Buchmesse oder vergleichbare Veranstaltungen sind die Chemnitzer Linux-Tage allerdings keine klassische Messe, sondern eher eine Mischung aus:
- Konferenz (viele Vorträge)
- Community-Event (Austausch, Projekte, Ehrenamtliche)
- Ausstellung (Stände von Projekten, Firmen, Initiativen)
- Workshop-/Praxisformat (Mitmachaktionen)
Neben Messeständen und Ausstellern, die es dort zwar ebenfalls gibt, liegt der Fokus aber stärker auf Wissenstransfer, Lernen und Community als auf reinem Geschäft oder Verkauf, was ich persönlich sehr angenehm finde.
In Vorbereitung auf die CLT stöberte ich also im Vortragsprogramm und machte mir einen Plan, welche Vorträge ich gern besuchen würde. Da ich nicht allein fahren würde, tat meine Begleitung dasselbe, und wir verglichen anschließend unsere Auswahl. Glücklicherweise deckte sie sich vollständig; darüber hinaus bekam ich weitere interessante Vorträge vorgeschlagen, denen ich mich, ohne überlegen zu müssen, gern anschloss. Manchmal fiel die Entscheidung nicht leicht, wenn sich Vorträge zeitlich überschnitten, doch mithilfe des Ausschlussprinzips konnten wir die Themen letztlich schnell eingrenzen.
Auf folgende Vorträge aus den Bereichen Linux und Open Source fiel unsere Wahl:
- Eine kurze Geschichte der verschlüsselten Kommunikation
- Stolpersteine bei der Beratung zum Umstieg auf Linux
- Zahlen, Daten, Fakten zur Nutzung von OSS in Deutschland
- Elektronischer Personalausweis – Nutzen der Online‑Funktion
- Richtig schlecht über Technik schreiben
- Cloud von nebenan statt von irgendwo
- IT-unabhängig im Kleinunternehmen mit Linux?
Bis auf den vorletzten, für den nur 30 min vorgesehen waren, sollten alle Vorträge je eine Stunde dauern.
Anreise und erste Eindrücke
Morgens, kurz nach 7 Uhr, ging es in Halle (Saale) los, kurz vor 9 Uhr kamen wir bei blauem Himmel und herrlichstem Sonnenschein in Chemnitz an. Auf dem Weg zum zentralen Hörsaal- und Seminar-Gebäude der Technischen Universität Chemnitz auf dem Campusgelände an der Reichenhainer Straße 90, in dem die CLT stattfinden sollten, entstanden bereits die ersten Fotos.
Vor dem Eingang bildeten sich mehrere Schlangen: eine für Leute, die bargeldlos zahlen wollten, eine für Leute wie uns, die Barzahlung bevorzugten, eine nur für Online-Ticket-Besitzer und eine für Referenten und Aussteller. Diese Unterteilung stand für mich stellvertretend für die überaus großartige und durchdachte Organisation der Veranstaltung: Alles war gut ausgeschildert, man wurde freundlich empfangen, es machte einfach Spaß.
Ein weiterer Pluspunkt, der die Veranstaltung sehr sympathisch machte: Die regulären Eintrittspreise waren mit 12 Euro äußerst günstig für das, was einem dafür geboten wurde. Hier stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Nachdem wir unseren Eintritt bezahlt hatten, bekam jeder als Nachweis ein Bändchen ums Handgelenk, wie man es von Festivals her kennt.




Da unser erster favorisierter Vortrag Eine kurze Geschichte der verschlüsselten Kommunikation bereits begonnen hatte, als wir das Schlangestehen endlich hinter uns hatten, suchten wir schon mal den Hörsaal auf, in dem unser nächster Programmpunkt stattfinden sollte. So bekamen wir noch etwas vom Thema Digitalsouveräne Partei? Zwischen Anspruch und Wirklichkeit mit und hatten uns bereits Sitzplätze für die nächste gute Stunde gesichert. Da die meisten Vorträge später online als Video verfügbar sein würden, ärgerten wir uns nicht lange über das verpasste Thema, sondern freuten uns zuversichtlich auf alle noch bevorstehenden Vorträge.
Ausflug zu den Pinguinen
Zwischen den einzelnen Vorträgen stöberten wir bei den Ausstellern. Da ich an den Ständen hier und da immer mal etwas Interessantes oder Nützliches mitnahm – Postkarten, Aufkleber, Kugelschreiber, Bleistifte, verschiedene Ausgaben des Linux-Magazins und des Magazins LinuxUser etc. – und es irgendwann doch etwas viel bzw. schwer wurde, machte ich mich auf die Suche nach einem Stoffbeutel, den ich sonst immer selbst dabeihabe, der sich aber gerade in der anderen Tasche zu Hause befand. Also machten wir um die Mittagszeit herum einen Ausflug zum Merchandising-Stand – oder wie es die Veranstalter nannten: Digitales Naturschutzgebiet bzw. CL Tiergarten. Dazu muss man wissen: Das Maskottchen von Linux ist ein Pinguin namens Tux.
Am Stand wimmelte es dann auch nur so von diesen kleinen, flugunfähigen Vögeln in sämtlichen Ausführungen: Pinguine als Plüschfigur, als kleine Lego-Figur (noch in Einzelteilen), als Aufdruck auf T‑Shirts, Tassen etc. – und auch den Stoffbeutel, den ich dort kaufte und in dem nun alles Platz fand, was ich bereits ergattert hatte und noch ergattern würde, zierten die Pinguine.



Nachdem alles verstaut war, blieb noch Zeit für eine Pause: Ich hatte etwas vom Bäcker mitgebracht, dazu tranken wir Kaffee.


Mein persönliches Highlight
Frisch gestärkt folgten weitere Vorträge. Da wir etwas zu früh in dem Hörsaal ankamen, in dem Elektronischer Personalausweis – Nutzen der Online‑Funktion folgen sollte, setzten wir uns leise dazu und hörten uns die zweite Hälfte des noch laufenden Vortrags Digital unterschreiben, aber wie? an, bevor es dann regulär weiterging.
Der mit Abstand beste Vortrag und mein absoluter Favorit war und ist: Richtig schlecht über Technik schreiben von Carina Schipper Reuß und Tim Schürmann. Als ich das Thema vorab im Programm gelesen und den Vortrag zu besuchen geplant hatte, war ich bereits angetan – hätte aber nie vermutet, dass er mich letztlich derart begeistern würde. Ich habe hinterher versucht, herauszufinden, was genau mich so beeindruckt hat: Im Grunde habe ich hier am wenigsten Neues gelernt, was einfach daran liegt, dass ich das Angesprochene berufsbedingt bereits wusste. Das war es also nicht, was mich so begeisterte – aber gerade weil es meine Themen waren und die beiden Referenten sie so unglaublich kurzweilig vorgetragen hatten, war und bin ich so Feuer und Flamme. Sie thematisierten verschiedene Aspekte von Sprache und des Schreibens, für die auch ich brenne. Bereits als sich beide vorstellten – sie, stellvertretende Chefredakteurin beim Linux-Magazin und beim Magazin LinuxUser, und er, Diplom-Informatiker, freier Autor und IT-Journalist –, waren sie mir gleich äußerst sympathisch, verkörpern und verbinden sie doch dieselben beiden Welten, die auch in meinem Leben miteinander verschmelzen: Sprache/Schreiben und die digitale Welt.
Anschließend stärkten wir uns mit vor Ort gekauften belegten Brötchen und Kaffee, besuchten noch die letzten beiden Vorträge, die wir uns ausgesucht hatten, und traten schließlich nach dem Ende des letzten Vortrags kurz nach 18 Uhr mit vielen Eindrücken und Souvenirs im Gepäck die Heimfahrt an.
Auch wenn solche Tage für mich ewig andauern könnten, so war ich doch froh, gegen 20 Uhr wieder zu Hause zu sein. Von den Erlebnissen werde ich noch lange zehren und habe auch schon unzählige Male geschwärmt, dass ich nächstes Jahr unbedingt wieder hinwill.
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