Forderung nach Recht auf Leben ohne Digitalzwang

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Forderung nach Recht auf Leben ohne Digitalzwang

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Am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, werde die Organisation Digitalcourage e. V. ihre Digitalzwang-Petition, die bereits mehr als 55 000 Menschen unterstützen, in Berlin an Digitalpolitikerinnen und Digitalpolitiker der demokratischen Fraktionen im Deutschen Bundestag überreichen. Bis dahin sollen mindestens 75 000 Unterschriften erreicht werden.

Fahrkarten per App, Behördentermine online: Immer mehr Alltagsangebote funktionieren ausschließlich digital. Auch die Bundesregierung setze im Koalitionsvertrag auf Digital Only bei Verwaltungsleistungen. Wer kein Smartphone nutzt oder keine Apps installieren will, stoße schnell auf Hürden. Dies schränke immer mehr Menschen ein, wie auch der Digitalzwang-Melder von Digitalcourage zeige. Mit ihm hätten Bürgerinnen und Bürger bereits viele Tausend Beispiele eingereicht – täglich kämen neue hinzu.

„Digitalisierung kann vieles erleichtern, aber sie darf nicht zur Voraussetzung für Teilhabe werden“, sagt Rena Tangens, Mitgründerin von Digitalcourage. „Wenn Angebote der Grundversorgung nur noch digital erreichbar sind, werden Menschen ausgeschlossen. Analoge Alternativen sichern Teilhabe.“

Dass das Problem viele Menschen betrifft, zeigten aktuelle Zahlen des Statistisches Bundesamt (Destatis, Mikrozensus 2025): Allein unter den 16- bis 74-Jährigen haben rund 2,1 Millionen Menschen in Deutschland das Internet noch nie genutzt. Besonders die Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen steche heraus: Etwa 10 % sind offline. Wenn Fahrkarten, Terminvergaben oder andere Angebote ausschließlich digital organisiert sind, werde für diese Menschen der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen schwierig.

Doch Digitalzwang betreffe nicht nur ältere Menschen – auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. „Digitalzwang trifft auch Menschen mit wenig Geld“, sagt Max Hampel, Campaigner bei Digitalcourage. „Viele Apps laufen nur auf neueren Smartphones. Wer sich kein aktuelles Gerät leisten kann oder kein dauerhaftes Datenvolumen hat, bleibt außen vor. Auch Menschen, die weder Google noch Apple ihre Daten geben möchten, werden ausgeschlossen.“

Die Petition von Digitalcourage fordere eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes: Niemand dürfe benachteiligt werden, weil er oder sie Online-Zugänge nicht nutzt. Fahrkarten kaufen, Behördentermine vereinbaren oder Verträge abschließen – all das müsse auch ohne Smartphone oder App möglich sein.

Digitalcourage betont zugleich: Die Initiative richte sich nicht gegen Digitalisierung. Auch die öffentliche Verwaltung muss digitaler werden. Entscheidend sei jedoch, dass dabei niemand ausgeschlossen werde. Digitale Angebote müssten verbessert und ergänzt werden – nicht ersetzen. Analoge Zugänge müssen erhalten bleiben.

Die Petition kann online auf der Website von Digitalcourage unterzeichnet werden. Alternativ können auch Petitionsblöcke bei Digitalcourage bestellt werden, um die Kampagne analog zu unterstützen. Jede weitere Unterschrift erhöht den Druck auf die Politik, Digitalisierung so zu gestalten, dass niemand ausgeschlossen wird.

Hintergrund der Aktion

Die Organisation Digitalcourage e. V. engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Der gemeinnützige Verein finanziert sich durch private Spenden und lebt durch die Arbeit vieler Freiwilliger. Seit 2000 verleiht er jährlich die deutschen Big Brother Awards an Datensünder in Wirtschaft und Politik.

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Außerdem informiere ich über Neuigkeiten aus der Welt der Bits und Bytes, etwa wenn Google mal wieder an seinem Algorithmus schraubt und es neue Rankingfaktoren für Internetseiten gibt.

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