Rektorin der TU Dresden ist Sprachpanscher des Jahres 2024
Der Verein Deutsche Sprache e. V. (VDS) hat am 16. August den Sprachpanscher des Jahres 2024 bekannt gegeben. Mit 33 Prozent der abgegebenen Stimmen gewonnen hat diesen Negativ-Preis Prof. Ursula M. Staudinger, die Rektorin der TU Dresden. Kritisiert wird sie für ihren unreflektierten Umgang mit Denglisch.
„Sprache muss verständlich bleiben, vor allem an Universitäten, wo Menschen mit verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen zusammenkommen“, so Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS. „Wer lehrt, darf sich nicht hinter vermeintlich angesagten Floskeln und Sprach-Mischmasch verstecken.“
Staudinger hatte im April im Anschluss an den „E‑Teaching-Day“ zu einer „Fuck-Up-Night“ eingeladen, in der „Geschichten des Scheiterns“ erzählt werden sollten. „Als Uni-Chefin obliegt es ihr, dass die Außendarstellung der Universität professionell ist, das gilt nicht nur für ihre eigenen Verlautbarungen, sondern auch für alle, die andere Fakultäten und Unterabteilungen in die Öffentlichkeit bringen“, stellte Krämer klar.
Mit 29 Prozent der Stimmen und somit auf Platz 2 wählten die VDS-Mitglieder die Leipziger Buchmesse, was schade für eines der wichtigsten sprachlichen Kulturereignisse in Deutschland sei. „Das Motto ‚Who’s still reading?‘ zeigt die Anbiederung an einen Zeitgeist, der das Englische vor andere Sprachen stellt“, kritisierte Krämer.
Platz 3 geht an die Hamburger Kunsthalle mit ihrem Leiter Dr. Alexander Klar (17 Prozent), die ihre Besucher mit Gendersternchen auf der Internetseite begrüßt.
Auf Platz 4 landete die staatlich geförderte Organisation „HateAid“, die das hehre Ziel verfolge, gegen Diskriminierung und Hass zu kämpfen, mit einer überladenen Gendersprache allerdings die Mehrheit ausschließe („Werde HateAidSupporter*in“). „Unterschwellig wendet sich hier der Einsatz für Demokratie und gegen Hass gegen jene, die eine normgerechte Sprache sprechen“, so Krämer.
Platz 5 erreichte die Tierrechtsorganisation PETA mit ihrem peinlichen Vorschlag, gegen vermeintliche sprachliche Tierquälerei in Redewendungen vorzugehen.
Hintergrund der Aktion
Der Negativ-Preis „Sprachpanscher des Jahres“, ursprünglich „Sprachschuster des Jahres“, wird seit 1997 vom Verein Deutsche Sprache e. V. verliehen und zeichnet Personen oder Institutionen für besondere sprachliche Fehlleistungen aus. Der Verein kritisiert, dass oftmals Anglizismen verwendet werden, obwohl es gebräuchliche deutsche Bezeichnungen dafür gibt. Mit der sprachkritischen Aktion sollen Politik, Wirtschaft und Presse einen Denkanstoß bekommen und für die Ausdruckskraft der deutschen Sprache sensibilisiert werden.
Sprachpanscher der vergangenen Jahre
- 2023: Bettina Stark-Watzinger
- 2022: Prof. Ulrike Lembke
- 2021: Ursula von der Leyen
- 2020: Tagesschau und heute-Nachrichten
- 2019: Hannovers Ex-Oberbürgermeister Stefan Schostok
- 2018: Deutscher Fußballbund
- 2017: Evangelische Kirche Deutschlands
- 2016: ZDF
- 2015: Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann
- 2014: Ursula von der Leyen
- 2013: Duden
- 2012: Andrew Jennings
- 2011: René Obermann
- 2010: Fritz Pleitgen
- 2009: Deutscher Turner-Bund
- 2008: Klaus Wowereit
- 2007: Hartmut Mehdorn
- 2006: Günther Oettinger
- 2005: Prof. Dr. Herbert Beck
- 2004: Markus Schächter
- 2003: Dr. Gerhard Mayer-Vorfelder
- 2002: Dr. Klaus Zumwinkel
- 2001: Wolfgang H. Zocher
- 2000: Prof. Dr. jur. Andreas Heldrich
- 1999: Dr. Johannes Ludewig
- 1998: Ron Sommer
- 1997: Jil Sander*
* Im ersten Jahr hieß die Aktion noch „Sprachschuster des Jahres“; Anmerkung Auf Punkt und Komma.